Niederösterreich

Das flächenmäßig größte Bundesland der Republik Österreich ist Niederösterreich. Im Norden grenzt Niederösterreich an Tschechien, im Nordosten an die Slowakei, im Südosten an das Burgenland, im Süden an die Steiermark und im Westen an Oberösterreich und umschließt Wien. Niederösterreich (alter Name Erzherzogtum Österreich unter der Enns) und Oberösterreich sind zusammen die Kernländer des Staates Österreich.
Seit einer Volksabstimmung im Jahre 1986 ist Sankt Pölten die Landeshauptstadt Niederösterreichs. Die Landesregierung und –verwaltung war davor in Wien untergebracht, das bis 31. Dezember 1921 zu Niederösterreich gehört hatte.
Mit 19.177,78 km² ist Niederösterreich das flächenmäßig größte Bundesland Österreichs. Landwirtschaftlich ist es in Vierteil aufgeteilt: das Weinviertel und das Waldviertel nördlich, das Mostviertel und das Industrieviertel südlich der Donau. Geografisch weisen die Viertel eine vollkommen unterschiedliche Struktur auf. Im Mostviertel findet man die Ausläufer der Kalkalpen, im Waldviertel hingegen ein Granitplateau. Das hügelige Weinviertel liegt im Nordosten und in das flache Marchfeld abfällt und südlich der Donau in das Wiener Becken.
Im westöstlicher Richtung werden die Viertel durch die Donau, in Nord-Südrichtung durch den Manhartsberg und den Wienerwald mit der Thermenlinie.

Bevölkerung

In den zentralen Gebieten im Umland von Wien wächst die Bevölkerungszahl, durch Zuzug aus dem städtischen Bereich und durch Zuzug aus den peripheren Gebieten, etwa dem Waldviertel oder den Randgebieten des Weinviertels stetig an. Eine stärkere Zuwanderung ist auch in Sankt Pölten zu verzeichnen, seit die Stadt Landeshauptstadt ist.
Gemessen an der Gesamtbevölkerung ist der Ausländeranteil von ganz Österreich mit 6,3 % unterdurchschnittlich.

Religion

79,3 % der Bevölkerung waren im Jahr 2001 römisch-katholisch, 3,3 % protestantisch mit 60 Kirchen in 27 Pfarren, 3,2 % islamisch und 10,8 % konfessionslos.

Hauptregionen

Aus verschiedenen operativen Gründen hat die niederösterreichische Landesplanung das Landesgebiet in fünf Aktionsräume der Regionalen Entwicklungsverbände beziehungsweise der zugehörigen Regionalmanagements unterteilt. Diese sind Industrieviertel, Niederösterreich-Mitte, Niederösterreich-West (Mostviertel), Waldviertel und Weinviertel. Diese Hauptregionen stellen eine Zusammenfassung von Räumen dar, die sich durch gemeinsame Merkmale oder ähnliche Problemlagen auszeichnen. Die Hauptaufgabe besteht darin, die Anliegen dieser Regionen zu artikulieren, entwicklungsstrategisch bedeutsame Themenschwerpunkte zu formulieren und entsprechende Leitprojekte zu initiieren.

Verkehr

In Richtung Bundeshauptstadt Wien führen die wichtigsten Verkehrsadern, wie die Südautobahn, die Westautobahn und die Ostautobahn. Die Südbahn, die Westbahn und die Ostbahn bilden wichtige Bahnlinien in Niederösterreich. Die Wieselbussesind Verkehrsmittel, die ihren Endpunkt in Sankt Pölten haben.
Große Verkehrsbedeutung hat auch die Güterschifffahrt auf der Donau mit dem größten Donauhafen Niederösterreich in Krems. Auf den Tourismus in der Wachau ist die Passagierschifffahrt beschränkt.
Weiters ist Niederösterreich auch Standort des größten österreichischen Flughafens, der sich dank der EU-Osterweiterung mittlerweile zu einer wichtigen Drehscheibe im internationalen Flugverkehr entwickelte. Die Rede ist vom Flughafen Wien-Schwechat.

Wirtschaft

Entlang der Thermenlinie befindet sich die wirtschaftlich stärkste Region in Niederösterreich. Der Bezirk Mödling ist der Bezirk mit dem stärksten Steueraufkommen. Der Bezirk liegt direkt am Südrand von Wien. Die Wirtschaftskraft wird umso schwächer, desto weiter die Gebiete von Wien entfernt liegen.
Mit dem Aufbau der Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg konnte erst nach der Unabhängigkeit Österreichs durch den Staatsvertrag im Jahre 1955 begonnen werden. Jedoch wirkte sich der Eiserne Vorhang bis ins Jahre 1989 ebenfalls hemmend auf die Wirtschaftskraft aus, vor allem an der Nord- und an der Ostgrenze. So pendeln auch heute noch viele Menschen aus dem Waldviertel als Tages- oder Wochenendfahrer für ihre Arbeit nach Wien.
Vor allem ein Agrarland ist Niederösterreich. Ackerland machen alleine ca. 42 % der gesamten Landesfläche aus. 40 % sind in diesem Bundesland als Waldfläche ausgewiesen. Sowohl Nutzviehhaltung wie auch Ackerbau sind ein starker Wirtschaftszweig in Niederösterreich. Der Weinbau ist ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig, der vor allem im Weinviertel, aber auch in der Wachau und in der Thermenregion zu finden sind. Ein weiterer bedeutender Wirtschaftsteil ist die Forstwirtschaft.

Tourismus

Früher war Niederösterreich im Fremdenverkehr das Schlusslicht unter den österreichischen Bundesländern. Durch die Gäste aus den ost- und mitteleuropäischen Ländern hat sich die Situation jedoch stark verändert. Beispielsweise das Waldviertelhat die stärksten Zuwachsraten an Nächtigungen. Vor allem die großen Kulturzentren im Bundesland wie die vielen Klöster und Schlösser werden vor allem beworben. Aber auch Urlaub am Bauernhof wird stark beworben und gerne angenommen.
Die niederösterreichischen Schigebiete haben im Winter wirtschaftliche Bedeutung, sie zeihen vor allem Gäste aus dem Osten und Tagesgäste aus Wien an. Da die Schipisten nicht sehr hoch liegen, ist es immer allerdings eine Frage des viel diskutierten Klimawandelns, ob es sich negativ auswirken könnte. Der Tagestourismus der Wiener Bevölkerung zu niederösterreichischen Zielen ist für Niederösterreich besonders wichtig. Die Wachau ist ebenfalls ein beliebtes Reiseziel – besonders in der Marillenblüte aber auch im Zusammenhang mit Weinreisen. Auch Survival Trainings werden von erfolgreichen Anbietern in Niederösterreich angeboten und sind somit auch für Interessierte aus Wien wegen der geringen Fahrzeit interessant.

Kultur

Die römischen Ausgrabungen in Carnuntum, das Museum für Urgeschichte, das Festspielhaus Sankt Pölten, die Stadtbühne Baden sowie die gut besuchten Sommerbühnen in Berndorf, Stockerau, Langenlois, Rosenburg, die Openair-Musicals der Felsenbühne Staatz, Weißenkirchen in der Wachau und bei der Burg Liechtenstein, kann man in Niederösterreich zahlreiche Klöster (Melk, Dürnstein, Seitenstetten, Göttweig, Klosterneuburg, Zwettl), Schlössern mit laufenden Ausstellungen (Schallaburg, Schloss Grafenegg, Schloss Thürnthal, Schloss Wilfersdorf, Schloss Hof), Museen (Niederösterreichisches Landesmuseum im Sankt Pöltner Kulturbezirk, die Kunstmeile Krems mit der Kunst-Halle und dem Karikaturmuseum) und Ausstellungshäuser (Sammlung Essl) sind zu erwähnen.

Sankt Pölten (Landeshauptstadt)

Die Landeshauptstadt des österreichischen Bundeslandes Niederösterreich ist Sankt Pölten. Sie ist mit 51.000 Einwohnern die größte Stadt Niederösterreichs. Im so genannten Mostviertel befindet sich Sankt Pölten und hat eine Fläche von 108,52 km². Sowohl Gemeinde als auch Bezirk ist Sankt Pölten, da sie eine Statutarstadt ist.
Am Fluss Traisen befindet sich die Stadt Sankt Pölten und liegt im nördlichen Alpenvorland, südlich der Wachau. Sie zählt somit zum Mostviertel, dem südwestlichen der vier Viertel in Niederösterreich.
Die Temperaturen liegen im Winter bei etwa – 1 Grad (Jänner) und 19 Grad im Sommer (Juli).

Sehenswürdigkeiten

Die frühgotische Pfarrkirche und ehemaliger Karner auf dem Sankt Pöltner Domplatz, das Rathaus (Wahrzeichen der Landeshauptstadt; mehrere Baustile erkennbar – romanische Gewölbe, gotische Nischen, Renaissance-Inschriften, Barockfassade und Renaissanceturm von Joseph Munggenast; Bürgermeisterzimmer mit barocker „Kaiserstuckdecke“), die Domkirche (von Jakob Prandtauer, Matthias Steinl und Joseph Munggenast barockisierte ehemalige romanische Basilika; Fresken und Gemälde unter anderem von Daniel Gran, Thomas Friedrich Gedon, Bartolomeo Altomonte, Antonio Tassi und Tobias Pock; romanische Rosenkranzkapelle), das Institut der Englischen Fräulein (von Jakob Prandtauer und seiner Bauschule ab 1707 errichtetes Institutsgebäude mit barocker Palastfassade, einer der schönste Niederösterreichs; Kapellenraum mit Fresken von Paul Troger und Bartolomeo Altomonte; Lourdesgrotte), die Franziskanerkirche (ehemalige Karmeliterkirche mit Rokokofassade; im Inneren vier Seitenaltarbilder von Martin Johann Schmidt, dem „Kremser Schmidt), die Prandtauerkirche und Karmeliterhof (ehemalige Karmelitinnenkirche – ab 1707 errichteter Klosterbau nach Plänen des Klosterarchitekten Martin Witwer und Bauführung durch Jakob Prandtauer), das Landestheater Niederösterreich (1820 von Josef Schwerdfeger erbaut; nach 1890 und 1968 umgebauter und erweiterter Theaterbau; bis 2005 Stadttheater; seit 2005 Sprechtheater), der Riemerplatz (einziger Platz der Stadt mit lückenlosem Althausbestand aus der Barockzeit; moderne Marmorskulptur als Mittelpunkt), der Herrenplatz (durch bedeutende Barockbauten geprägter Platz mit zentraler Mariensäule von Antonio Beduzzi), das Olbrich- Haus (schönes Jugendstilgebäude der Stadt; für Primar Hermann Stühr von Joseph Olbrich errichtet), die ehemalige Synagoge (einzige Jugendstil-Synagoge Niederösterreichs; reiche Ausmalung in Ornamentformen der Wiener Werkstätte), das Schloss Pottenbrunn, das Schloss Wasserburg und das Schloss Ochsenburg sind einen Besuch wert. Weiters gibt es einige interessante Museen, wie das Diözesanmuseum Sankt Pölten, das Museum im Hof, das Niederösterreichische Landesmuseum, das Privatmuseum „Wilhelsburger Zier- und Gebrauchsgeschirr“ und das Stadtmuseum Sankt Pölten.